Samstag, 21. September 2013

Tag 14 - 19: "The Frenchies"

Huch, eine ganze Woche ist schon vergangen und ihr fragt euch sicher schon alle, wie der Uni-Alltag so ist?... Nicht? Na gut ich erzähl es trotzdem! :D Also die Uni an sich ist sehr sehr klein, nicht zu vergleichen mit einem österreichischen Campus wie ich finde. Es gibt drei verschiedene Standorte: Den Murat-Campus, den danebenliegenden Exelmans-Campus und schließlich den Campus Boulogne, der zwei Busstationen vom Murat/Exelmans-Campus entfernt liegt. Als ich am Montag meinen ersten Uni-Tag hatte war ich komischerweise gar nicht so schlimm nervös. In der Früh stand "advanced french" am Plan, wobei ich bis jetzt nicht sicher bin, ob ich für "advanced" wirklich geeignet bin. Die teilnehmenden Studies waren logischerweise ebenfalls Internationals, alle aus dem Bachelor-Programm und zu 90 Prozent Spanierinnen. Aber gut, die jungen Mädels sind wenigstens kommunikativ, wodurch ich in der Pause keinerlei Probleme hatte ins Gespräch zu kommen. Meine Mittagspause verbrachte ich dann mit einem türkischen Mädel, das ebenfalls den French-Kurs belegt und auch erst um 14 Uhr wieder Unterricht hatte. Nach einem gepflegten Sandwich und ein paar Runden durch die umliegenden Gassen (ohne uns zu verlaufen!) war es dann auch schon fast soweit und ich begab mich in den Raum "Londres" (ja die Zimmer sind hier nach Städten benannt und nein, einen Raum "Vienne" gibt es leider nicht... tzzz). Die ersten meiner zukünftigen französischen Mitstudenten waren schon da. Von meinen Beobachtungen her, heben sich die meisten aber kaum von den österreichischen Studenten ab. Von den Erzählungen her, war ich auf stark parfümierte, high-heels tragende Prada-Models mit kompletter Apple-Ausstattung eingestellt. War aber nicht ganz so. Gut, die ein oder andere sah man schon in Stöckelschuhen und mit toupierten Haaren, zählt aber meiner Meinung nach zur Ausnahme, zum Glück. Ich betrat also die Klasse und platzierte mich mal in die zweite Reihe. Als der Unterricht fast pünktlich kurz nach 14 Uhr begann musste ich mich gar nicht groß vorstellen, denn das übernahm der Lektor freundlicherweise für mich. "I heard there is an international student in our class from Austria." Einmal kurz aufzeigen, nett lächeln und sich dann von circa 40 Augenpaaren mustern lassen, sowas liebe ich. Aber naja, erleichterte mir jedenfalls jedem einzeln zu erklären wer ich bin, woher ich komme und so weiter und sofort. Die Stunde hielt der Vortragende glücklicherweise auf englisch ab, ist nicht immer selbstverständlich, wie ich in dieser Woche noch lernen sollte, aber dazu komme ich noch. Er erzählte jedenfalls ein bisschen bla bla von den Zielen dieses Kurses (strategisches, internationales Marketing btw.) und sprach dann von Gruppenarbeiten in Vierer-Teams. Sofort machte sich dezente Nervosität breit, auch weil an diesem Kurs zwei Gruppen teilnahmen, die "normalen" Studenten und die berufsbegleitenden. Wir sollten uns nur Leute aus der gleichen Gruppe suchen, wodurch schon mal Verwirrung herrschte weil ich ja keine Ahnung hatte, wer was macht. Nun ja, jedenfalls wurde ich dann sogleich auch mal für ein Business Project einer Gruppe zugewiesen (wird vom gleichen Lektor betreut). Dieses fette Projekt soll das ganze Semester über dauern, wobei ich am Anfang nur Bahnhof verstand. Vor allem auch deshalb weil das Projekt schon letzten Sommer angefangen hatte und ich als Neue praktisch zu meiner Gruppe dazu stoße... Verwirrung pur! Jetzt ist aber alles einigermaßen klar und auch mein Team ist ganz nett. Es besteht aus zwei Burschen und zwei Mädels, machen allesamt einen ganz lieben Eindruck, allerdings bemerkte ich auch schon erste Sticheleien bzgl. ungerechter Arbeitsaufteilung aufgrund weniger motivierter Mitglieder aber gut, mal sehen. Einer meiner sogenannten Team-Kollegen spricht sogar ein bisschen deutsch, finde ich sehr witzig, wenn man bedenkt, dass viele französische Studenten nicht einmal gut englisch sprechen können, was eigentlich traurig ist, wenn man wiederum bedenkt, dass wir hier "International business" studieren aber wundern tut mich hier eh nichts mehr. Dienstag stand dann also International Business Entrepreneurship am Plan. Auch hier war der Vortragende sehr nett und sprach ein sehr schönes, verständliches Englisch. Gut, das Fach könnte interessanter sein, aber ich studiere hier nun mal etwas ganz anderes als daheim, da muss ich wohl durch. Auch in diesem Fach sollten wir Gruppen bilden, war aber kein Problem weil mich die Burschen vom Business Project kurzerhand fragten ob ich bei ihnen mitmachen will. Yippie! Wir sollen Business Cases durchlesen und diskutieren und einen davon müssen wir auch präsentieren, ich freu mich jetzt schon - nicht! Aber wenigstens nicht alleine. Am Mittwoch musste ich dann allerdings das krasse Gegenteil zu den ersten beiden Kursen kennen lernen. Financements bancieres stand am Stundenplan und damit auch der äußerst unsympathische und sich selbst wohl irrsinnig cool findende Monsieur Franses, der gleich mal auf französisch loslegte. Ich ließ ihn sich in "seiner Sprache" vorstellen, dann fragte ich höflichst (auf englisch!) ob er eventuell den Unterricht dann auf englisch halten könnte, da ich ein International student bin und nicht so gut französisch spreche. Die Antwort kam prompt (auf französisch wohlgemerkt) und traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Irgendwas von die Folien (die er übrigens im Lauf der Einheit nicht mal zeigte) seien schon auf französisch und es gäbe ja ein Wörterbuch. Das sagte er aber auf eine Art und Weise, dass sogar ein Blinder mit Krückstock mitbekommen würde, dass er mich beinhart verarscht! Und noch obendrein: Gelächter meiner netten Mitstudenten. Ob dieser grenzenlosen Frechheit war ich so dermaßen perplex, dass mir nichts darauf einfiel, außer ein Kopfschütteln. Der Kurs war auf englisch vorgesehen. Er hat sich daran zu halten und braucht mich nicht vor der ganzen Klasse bloßstellen, hallo? Aber gut, es ging munter weiter. Auf französisch natürlich. Hin und wieder gebrauchte er englische Wörter wie "deal" wodurch gleich ein Seitenhieb auf meine unglaublich freche Forderung erfolgte. Ich signalisierte ihm Blicke, die jemanden umbringen hätten können, taten sie aber leider nicht. Mein deutschsprechender Mitstudent saß still neben mir, vermutlich sah man mir schon aus hundert Metern Entfernung an, wie stinksauer ich war. Als wir Pause hatten war ich heilfroh, sprang auf und ging schnurstracks ins International Office. Ich erzählte der Zuständigen alles (leider nicht ganz ohne ein paar Tränen zu vergießen, ich hasse es wenn ich mich emotional nicht zurückhalten kann) und ließ den Kurs sofort streichen. Ich hatte ohnehin zwei ECTS zu viel. Die zweite Hälfte des Kurses besuchte ich dann gar nicht mehr, wozu auch. Was für ein Idiot. Die Betreuerin vom International Office machte den Vortragenden dann übrigens zur Schnecke und fragte ihn was das sollte. Daraufhin wollte er sich persönlich entschuldigen. Er meinte er habe nicht gewusst, dass ich ein International bin. Wenn ich ihn schon auf englisch anrede, jaja, ist klar. Später erfuhr ich dann, dass der Gute kein Wort englisch spricht. Vermutlich war das also seine Art Schwäche zu überspielen, indem er andere verarscht. Traurig, ich kann's nur nochmals sagen: Wir studieren "international business". Wird ohne englisch vermutlich schwer, aber bitte. Mittwoch war jedenfalls der absolute Tiefpunkt erreicht. Ich fühlte mich gedemütigt und verarscht... heulte auch zuhause nochmal und wünschte mir das erste Mal, zuhause zu sein. Auch die Tatsache, dass meine Mitstudenten alles mitbekamen war mir sehr unangenehm, was würden sie jetzt von mir denken? Am nächsten Tag ging ich mit einem sehr unguten Gefühl im Magen wieder zur Uni. Bereits für 13 Uhr war ein Meeting mit der Business-Project Gruppe geplant. Als ich meinen deutschsprachigen Kollegen vor dem Eingang traf, fragte er gleich ob der Prof mich gestern "upset" hatte. Ich erklärte ihm meinen Standpunkt und er stimmte mir zu, dass der Typ ein Vollidiot ist. Gott sei dank. Wenigstens einer. Aber auch andere Studies kamen im Laufe des gestrigen Tages auf mich zu und fragten mich ob alles ok ist. Sie alle sagten, dass sie den Typen nicht mochten. Wer gelacht hat ist mir trotzdem ein Rätsel. Ist mir aber auch relativ egal, solange ich wenigstens ein paar nette "Frenchies", wie ich sie schon liebevoll nenne, dabei hab. Der gestrige Kurs war dann übrigens wieder auf französisch aber das Fach hatte ich eh nur einmal, und ich hoffe, es auch so zu schaffen. Ich versuche nach der Sache am Mittwoch die Dinge locker zu sehen und mir nicht zu viel anzutun. Erasmus ist dazu da um schöne Erinnerungen zu sammeln und eine gute Zeit zu haben, und nicht um sich von diversen Kleinigkeiten runterziehen zu lassen. Heute war dann übrigens frei, weiter geht's erst wieder am Montag, allerdings hab ich für die diversen Gruppenarbeiten schon einiges vorzubereiten. Mal sehen, wie sich alles entwickelt. So, nachdem ich jetzt einen halben Roman geschrieben habe wird es nun Zeit ein paar Bildchen folgen zu lassen. Ich hab sie letztes Wochenende bei einer Führung durch das Künstlerviertel "Le Marais" geschossen. Ach ja, und beim Louvre kamen wir auch vorbei. Sollte ich euch auch nicht vorenthalten. Ich hoffe, dass ich es bald mal von Innen zu sehen bekomme, aber der nächste Regentag kommt bestimmt.










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